My little w0rld...
Gratis bloggen bei
myblog.de

Der Füller kratzt über das Papier, welches auf meinem Schreibtisch liegt.
Ich versuche meine Hände ruhig zu halten, doch es bringt nichts. Sie zittern.
Tränen fallen auf das Blatt, verwischen die Worte, die soviel ausdrücken sollten.
Doch vielleicht drücken meine Tränen mehr aus.
Vielleicht erkennst du, was ich dir durch diese Tränen sagen wollte.
Vielleicht verstehst du, dass du mich verletzt hast…

Der Brief verschwindet in einem, dafür vorgesehenen Umschlag.
Ich lecke den Verschluss des Umschlages an.
Meine Zunge gleitet über die markierten Stellen, ich ziehe sie zurück.
Langsam schließe ich den Umschlag, sehe noch einmal auf ihn hinab.
Ich weine, und eine erneute Träne verwischt den Namen, mit Tinte geschrieben.
Mit Tinte geschrieben? Nein… Mit Blut geschrieben…

Ich lasse den Umschlag in meine Tasche gleiten, schließe sie.
Meine Mutter sieht mich an, lächelt. Sagt mir, wann es Mittag gibt und das ich dann zu Haus sein soll.
Ich lächle zurück, mein Lächeln ist eiskalt. Ich nicke.
Danach ziehe ich meine Schuhe und meinen Mantel an. Ich zittere.
Meine Mutter ahnt irgendetwas. Bevor ich aus der Tür gehen konnte, umarmt sie mich.
„Ich liebe dich.“ sagt sie, lässt mich los und küsst meine Wange. Ich weine… innerlich.

Meine Schritte hallen im Flur wider. Mein Weg führt mich auf die gläserne Tür zu.
Ich öffne sie, die Sonne scheint in mein Gesicht. Ich kneife die Augen zusammen.
Obwohl die Sonne scheint, ist es kalt.
Der Wind peitscht mein Gesicht, er tut weh und doch ist er angenehm, ich fühle ihn, er verhöhnt und tröstet mich.
Meine Beine kennen den Weg, den ich einschlage. Er führt zu ihm.
Ich laufe weiter, bemerke die Blicke nicht, die mich ansehen.
Nach kurzer Zeit stehe ich schon vor seiner Tür. Ich sehe ihn. Er küsst sie. Er hat gesagt, dass er sie liebt.
Ich will ihm nicht im Wege stehen, habe ich gesagt.
Doch der Schmerz in meinem Herzen ist unerträglich…

Meine Hand wandert in meine Tasche, zieht den Umschlag heraus, ich begutachte ihn.
Ich streiche mit den Fingerspitzen darüber.
Der salzige Geschmack auf meinen Lippen, lässt mich mein Gesicht zusammen ziehen. Ich hasste diesen Geschmack, ich verachtete ihn, er machte schwach!
Langsam hob ich die Klappe des Briefkastens an. Der Umschlag glitt hinein, als wusste er, zu wem er sollte.
Ich ließ die Klappe los, es erzeugte ein Geräusch von aufschlagendem Metall. Es ließ mich lächeln.
Ich legte meine Fingerspitzen meines Zeige- und Mittelfinger an meine Lippen. Den letzten Kuss, nur für ihn.
Meine Fingerspitzen glitten zum Briefkasten, legten sich an die Klappe. Ein erneutes Lächeln aus meiner Richtung.

Danach drehte ich ihm und somit meiner Vergangenheit den Rücken zu.
Kein Ton kam über meine Lippen, sie blieben verschlossen.
Er sah mich, ich konnte seinen Blick durch das Fenster bemerken und ich zuckte zusammen.
Wie konnte er mich ansehen, während er dieses Mädchen berührte, es küsste?
Ich schüttelte nur mit dem Kopf, musste mich zusammen reißen nicht heulend zusammenzubrechen oder wegzulaufen.
Ich ging.

Der Blick auf die Stadt war wunderschön.
Es war spät, die Lichter waren schon an, ich lächelte erneut.
Ich wusste gar nicht, wie wunderschön unsere Stadt war. Warum wusste ich es nicht? Ich hatte mich zulange mit unwichtigen Sachen herum geschlagen.
Ich wünschte, ich könnte mein Leben noch einmal neu beginnen…
Nur ein einziges Mal, ich würde so viele Sachen anders machen.
Aber ich musste mit der Gewissheit leben, dass dieser Wunsch nie in Erfüllung gehen würde. Ich akzeptierte es, ich liebte damit.

Die Klinge an meinem Handgelenk war angenehm kühl.
Ich strich mit der Spitze des Messers immer wieder über meinen Arm, kleine Kratzer bildeten sich schon, doch das warme Blut floss über meinen Arm und hob die Kälte der Klinge wieder auf.
Ein letzter Blick auf die Stadt. Ein letztes Lächeln auf meinen Lippen. Ein letzter Satz aus meinem Mund.
„Vergiss mich bitte nie...“
Und danach spürte ich einen stechenden Schmerz an meinem Handgelenk, ich hatte richtig geschnitten.
Das Blut floss über mein Handgelenk, auf den Boden und auf die weißen Steine unter dem Tetraeder.

Mein Körper wurde schwach, ich musste mich hinlegen.
Langsam schloss ich die Augen.
Endlich war er weg. Dieser unerbittliche Schmerz in meinem Herzen, der durch ihn entstanden war.
Ein letzter Atemzug.
Eine letzte Handbewegung.
Endlich war alles vorbei.
Endlich war ich tot…